„Der Weg zurück“ oder „Wenn der Körper Signale sendet“


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Zürich Marathon 2015

Warst du schon einmal verletzt? Hörst du auf deinen Körper und auf die Signale, welcher er dir sendet? Ich muss beides verneinen. Ich war noch nie so richtig verletzt; klar, mal ein wenig Schmerzen im Knie oder im Fuss – aber nicht’s das längerfristig anhielt. Und nein, bis anhin habe ich nicht wirklich auf die Signale meines Körpers geachtet – obschon mein Umfeld mich immer wieder darauf hinwies. Aber wer kennt das nicht; Erfahrungen muss man selber machen damit sie verinnerlicht werden können und damit man daraus lernt. Tja, und nun ist es so weit; ich mache genau eine solche Erfahrung, eine harte Prüfung, welche ich jedoch annehmen will und welche mich hoffentlich stärker machen wird.

Als Trailrunnerin an einem Sonntag auf der Couch zu sitzen und daran zu denken, wie es wäre durch die Wälder und Felder zu laufen, das ist hart, ja fast unerträglich. Ich kann mich noch genau daran erinnern, als ich das letzte Mal auf einem Trail unterwegs war; am 13. Dezember. Bei wunderschönem Wetter ging’s quer durch die Wälder, es herrschte eine tolle Stimmung- einfach alles hat gepasst. Aber ich kann mich auch ebenso genau daran erinnern, dass ich damals schon ganz zu Beginn zu meinem Trailpartner gesagt habe „ich weiss nicht ob ich die 33 km durchlaufen kann; ich habe so komische Schmerzen im Oberschenkel“. Welcher Läufer kennt das nicht; es zwickt mal da, dann wieder dort… häufig verschwinden diese kleinen Schmerzen dann während des Laufens – nicht so an dem besagten Tag.
Ich genoss jeden einzelnen Schritt, spürte die Schmerzen aber besonders bergab sehr intensiv. Nach 30 km war ich dann langsam froh, als das Ziel näher kam. Hätte ich damals gewusst, dass es mein letzter Trailrun für längere Zeit sein wird, hätte ich die letzten Meter noch viel intensiver genossen.
Endlich konnte ich wieder mehr oder weniger schmerzfrei laufen, nachdem ich längere Zeit etwas Schmerzen im Knie verspürt hatte; ausserdem hatte ich erst gerade erfahren, dass ich im neuen Jahr für „Asics“ im Frontrunner-Team unterwegs sein darf – was für eine Ehre! Umso grösser war meine Motivation jetzt erst richtig los zu legen und so viele Trails wie möglich unsicher zu machen. Also bin ich die 33km durchgelaufen, trotz dem massiven Stechen im Oberschenkel. „Du bist stärker als der Schmerz“ habe ich mir immer wieder gesagt; und ich behielt recht, denn ich kam mehr oder weniger wohlauf zu Hause an. Dass ich dann ein paar Stunden später das ganze Bein nicht mehr richtig belasten konnte, irritierte mich etwas, jedoch war ich überzeugt, dass der Schmerz bestimmt am nächsten Tag wieder der Vergangenheit angehören würde.

Zwei Tage später hatte ich noch immer Schmerzen, allerdings nicht ganz so intensiv. Also habe ich mich entschieden, in der Mittagspause einen etwas schnelleren 10km Lauf zu machen. Es lief gut; zu Beginn wieder dieses Stechen, welches allerdings dann doch relativ zügig nach liess. Als ich zurück bei der Arbeit war, setzte dann das Stechen wieder so richtig massiv ein und wiederum war eine vollständige Belastung auf dem Bein nicht möglich.

Keiner wusste was ich habe; weder Arzt, noch Physiotherapeut. Dann nach einem Ultraschall die Diagnose: Muskelverhärtung (Muskelfaserriss oder Zerrung konnte ausgeschlossen werden). Mein Physiotherapeut gab sein Bestes und auch ich habe mich intensiv mit der Blackroll auseinandergesetzt. Dann wurden die Schmerzen etwas besser und ich war begeistert, hoffte darauf, bald wieder laufen zu können. Ich war gerade erneut auf dem Weg in die Physiotherapie, als ich von einem älteren Herren angerempelt wurde, das Gleichgewicht verlor und zu Boden ging. Natürlich kam ich ungeschickt mit dem Bein auf dem Boden auf und tataaaaaa – der Schmerz war stärker zurück als je zuvor. Es fühlte sich an als wäre „etwas gerissen“.

Wochen vergingen; mein Physiotherapeut ging weiter nach dem Ausschlussverfahren vor – Rücken ist okay, Knie ist okay, Muskeln sind okay…. ich versuchte immer wieder ein paar Kilometer zu laufen, hatte danach aber immer intensivere Schmerzen als zuvor.
Nach weiteren Wochen mit Schmerzen setzte ich meinen Willen durch und verlangte nach einem MRT Termin; ich wollte nicht noch mehr Zeit verlieren.
Letzten Freitag war es dann so weit. Mit einer kleinen Charme-Offensive meinerseits konnte ich den Radiologen und Bericht-schreibenden Arzt dazu überreden, mir bereits mitzuteilen was denn herausgekommen sei. Er meinte nur „Frau Müller, ihr Oberschenkel scheint gestresst zu sein. Sie haben diverse kleine Risse im Knochen und eine massive Entzündung.“ Auf meine Frage, wie lange ich denn nun auf das Training verzichten müsse, wollte er nicht genauer eingehen. „Besprechen Sie das dann mit dem Spezialisten. Falls Sie jedoch den Puls in die Höhe treiben wollen; nehmen Sie das Rad!“. Mit gesenktem Kopf verliess ich die Praxis.

Für mich brach eine kleine Welt zusammen – meine Träume sind wie eine Luftblase zerplatzt. Päääääääng hat’s gemacht. Das kann doch nicht sein; das ist unmöglich – nicht jetzt!!!!
Aber nach ein paar traurigen Stunden und nach vielen Zusprüchen von ganz lieben Laufkollegen via Social-Media habe ich mich mal besonnen und mir Gedanken zu der Situation gemacht:

1. gibt es viel, viel schlimmere Dinge! Ja, ich muss wohl eine Laufpause von mehreren Monaten machen – aber Alternativtraining ist weiterhin möglich und hey, was sind schon ein paar Monate wenn ich danach wieder so richtig zurück kehren kann, stärker als je zuvor! Mental ist das eine unglaublich harte Prüfung für mich – welche mich aber definitiv weiterbringen und stärker machen wird.

2. mein Körper spricht mit mir! Hätte ich auf die ersten Signale gehört, wäre es nicht so weit gekommen. Jetzt muss ich in den sauren Apfel beissen- dafür lerne ich meinen Körper besser kennen und kann das nächste Mal auf ihn eingehen und Verletzungen früher erkennen und vielleicht sogar rechtzeitig abwenden.

3. Ich habe nun Zeit mich intensiv mit den Themen „optimale Ernährung im Sport“, „schnellere Genesung durch positives Denken“ und „Alternativmedizin“ auseinander zu setzen. Ich möchte meine Selbstheilungskräfte aktivieren und werde versuchen den Heilungsverlauf mit diversen Methoden positiv zu beeinflussen.

Meine Erfahrungen ,welche ich nun in dieser Zeit sammeln werde, möchte ich anderen Läufern weitergeben. Schliesslich sind wir doch eine grosse Familie und sollten uns gegenseitig unterstützen so gut wie’s eben geht!
Mein erster Tipp: Die Ziele niemals aus den Augen verlieren; die Situation so annehmen wie sie ist, und das Beste daraus machen! Es geht weiter und man lernt dazu! Und dass ich meinen nächsten schmerzfreien Lauf so sehr geniessen werde wie noch keinen zuvor, davon bin ich auch überzeugt!!! 😀

In diesem Sinne; let’s fight!

Kategorien:Allgemein

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