One step to the finish line


28. Mai 2018 – heute in 4 Wochen wäre der eigentlich errechnete Geburtstermin gemäss meiner Fachärztin (auch wenn ich eigentlich anderer Meinung bin…) – spielt aber alles sowieso keine Rolle, da es schon früher losgehen wird. Ich bin sozusagen ein paar kleine Schritte vom Ziel entfernt; die Finish-Line ist von weitem zu sehen.
Wer schon einmal einen Marathon gelaufen ist, der weiss, dass der sogenannte «Hammermann» sehr häufig genau an dieser Ecke auf einem wartet. Mit voller Wucht erfasst er dich, bremst dich aus und zwingt dich dazu, ein paar Schritte zu gehen. Wenn du genügend mentale Stärke besitzt oder einfach sehr gut trainiert bist, dann wirst du ihn überlisten können, wirst deine Pace aufrechterhalten und ihm voller Stolz den Stinkefinger zeigen. Und dann, dann wirst du die Ziellinie überqueren und für ein paar Sekunden der glücklichste Mensch der Welt sein – du hast es geschafft, du hast gefinished!

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Die Schwangerschaft ist für mich mit einem Marathon zu vergleichen: Die ersten Kilometer sind häufig schwerfällig; es dauert bis man sein Tempo gefunden und sich in dem Läuferfeld einsortiert hat.
In der Schwangerschaft sind die ersten drei Monate vor allem von der Hormonumstellung geprägt; du bist häufig müde, dir ist übel und es schmerzen so allerlei Körperteile. Es dauert seine Zeit bis du und dein Körper auf die Entstehung eines Kindes vorbereitet sind.

Dann folgt der angenehmere Teil. Du hast dein Wohlfühltempo gefunden, du weisst dass du es packst, dass du das kannst und bist voller Zuversicht und Energie. Die Kilometer laufen sich fast schon von alleine denn du fühlst den Flow – du bist im Rausch.
In der Schwangerschaft wird das zweite Trimester häufig genau so beschrieben. Die Energie soll zurückkehren, die Übelkeit verschwindet und die Glückshormone tragen ihr übriges dazu bei, dass du dich gut und zufrieden fühlst. Leider kann ich das so nicht ganz unterschreiben. Auch im zweiten Trimester hatte ich mit den ein oder anderen «Nebenwirkungen» der Schwangerschaft zu kämpfen. Aber rückblickend war es doch eine sehr schöne Zeit; der Bauch noch nicht so gross, dass die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wäre und trotzdem zu wissen und vor allem auch zu spüren, dass ein anderes Herz unter dem eigenen schlägt.

Und jetzt, jetzt sehe ich den Hammermann immer wieder ganz deutlich vor mir und versuche ihm zu entfliehen und auszuweichen. Noch einmal ein Riegel essen für zusätzliche Energie oder doch lieber keine Zeit verlieren und so rasch wie möglich über die Ziellinie sprinten? Ein paar Schritte gehen oder doch lieber auf die Zähne beissen und sich nicht anmerken lassen, dass die Kräfte schwinden? Taktik anwenden oder einfach darauf vertrauen, dass alles so kommt wie es soll? Tja, Fragen über Fragen – und die richtige Antwort muss schlussendlich jeder für sich selber finden.

Durch den Sport und meine grossen Trainingsumfänge vom letzten Jahr habe ich das Glück, dass ich ganz gut auf die Zähne beissen kann. Dass ich mental stark bin, auch wenn es mal schwierig wird und die Kräfte nachlassen. Ich kann für eine gewisse Zeit über meine Grenzen gehen und Kräfte mobilisieren, von denen ich im Vornherein gar nichts wusste (sofern mir das noch immer gelingt). Aber wird mir das für die Geburt helfen? Oder wird mein Körper durch die vielen Trainings vielleicht eher schlechter entspannen und loslassen können?  Die Antwort darauf steht momentan noch in den Sternen – und genau so ist es auch bei einem Wettkampf; niemand weiss am Tag vorher bereits, wie er ausgehen wird.

In diesem Sinne lasse ich mich überraschen, bewege mich weiterhin so viel ich mag und noch kann und geniesse den Babybauch, welcher mich nicht mehr allzu lange begleiten wird.

I’m ready to cross the finish line!

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Kategorien:Allgemein

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